Wer sind die Kinder Noachs?

Als Kinder Noachs oder Nachkommen von Noach wird im Talmud die gesamte Menschheit bezeichnet. Nach der Bibel stammen alle Menschen von einem Mann ab, nämlich Noach, der nach der Sintflut überlebte. Deshalb sind alle Menschen Kinder Noachs.

Das Konzept der Kinder Noachs finden wir im Talmud. Finden wir das auch in der Tora?

Ja, aber nicht unter dem Namen Kinder Noachs. Die Torah berichtet über Enoch, Noach, Shem, Job, Jethro und all diejenigen, die vor tausenden Jahren, noch vor der Erfahrung am Berg Sinai, also noch bevor die Tora den Juden gegeben wurde lebten. Natürlich hatten diese Menschen auch einen Glauben, bestimmte Standards und Gebote zu befolgen.

Wir wissen beispielsweise viel über Avraham, Jitzchak und Jakov. Sie hatten eine reiche Beziehung zum Schöpfer. Der Talmut diskutiert die Details ihres Glaubens, die man an verschiedenen Stellen des Buches Genesis nachlesen kann. Wie nannte man ihren Glauben? Was waren sie verpflichtet zu tun und was haben sie auf sich genommen? Aus den Geschichten können wir viel über die Gebote und Gesetze lernen, die die gesamte Menschheit befolgen sollte.

Wir sind also alle Kinder Noachs, aber was ist das Wesentliche daran? Ist das jetzt ein Glauben, den jemand annehmen kann?

Mit der Idee der Kinder Noachs verbunden sind die Gesetze Noachs, die die Grundzüge einer vollkommenen und dynamischen Beziehung zum Schöpfer darstellen. Wenn jemand als Mensch Erfüllung erleben möchte, sollte er sich an diese Gesetze und den spirituellen Weg der Kinder Noachs halten.

Eine der treffendsten Beschreibungen der noachidischen Gesetze finden wir in der Encyclopedia Britannica:

Zitat: „….eine jüdische talmudische Bezeichnung für sieben biblische Gesetze, die Adam und Noach gegeben wurden, noch vor der Enthüllung an  Moses auf dem Berg Sinai und deshalb bindend für die gesamte Menschheit.“ (The New Encyclopedia Britannica: Micropodia, 15th ed. Vol 8, p 737)

 Aus dieser Definition geht hervor, dass gläubige Kinder Noachs oder Noachiden solche Menschen sind, die den in den sieben Gesetzen beschriebenen Weg beschreiten und ausführen. Dies ist die Grundlage des noachidischen Bundes, den der Schöpfer mit der gesamten Menschheit geschlossen hat.

Sind Juden dann auch Noachiden? Im Grunde genommen sind sie ja auch Nachfolger von Noach.

Die Bezeichnung Kinder Noachs ist strikt gesehen eine Bezeichnung für die nicht-jüdischen Mitmenschen. Die Gesetze Noachs wurden lange Zeit vor Avraham enthüllt. Das Volk Israel, heute bekannt als Juden, sind Nachkommen von Avraham über Izchak und Jakov. Sie haben ihren eigenen und besonderen Bund mit dem Schöpfer und auch eine besondere Aufgabe in der Welt, wie es in der Tora beschrieben ist, die auf dem Berg Sinai dem Moses enthüllt wurde. Israel ist ein Volk, welches von den anderen Völkern abgesondert ist. (Numeri 23:9, Exodus19:5:6)

Tatsächlich wurden alle Gesetze und die Tora dem Volk Israel vom Schöpfer auf dem Berg Sinai übergeben. Sie sind äquivalent zu den Gesetzen der Noachiden, aber weitere Gesetze wurden auf dem Berg Sinai nur den Juden gegeben.

Die Gebote bestehen aus 6 Verboten und einem Gebot. Warum dieser Negativansatz zum Glauben an den Schöpfer?

Es ist falsch, dies so zu sehen. Die Absicht ist nicht, negativ zu sein, sondern die Bedrohung hervorzuheben. Es geht also darum, die Menschen vor schlechten Dingen zu schützen, und dies ist ein positiver Ansatz.

Denken Sie an die „goldene Regel“ von Rabbi Hillel: „Was Du nicht willst, das man Dir tut, das füg auch keinem anderen zu“. Ist das ein negativer Spruch? Wenn man darüber nachdenkt, eigentlich nicht. Es beinhaltet das Positive.

Von den 613 Geboten (Mitzvot), die in der Tora dem Volk Israel gegeben wurden, gibt es 365 negative und 248 positive Gebote. Wenn man die Gebote jedoch lernt, dann überwiegt stark das Positive. Auch kann man jeden Tag positive Aktionen hinzufügen, es gibt keine Grenzen für gute Taten, die ein Mensch tun kann.

In wieweit ist das noachidische Konzept eine komplette Lebenseinstellung?

Auf den ersten Blick klingen die sieben Gebote oder Kanäle eigentlich nicht ausreichend genug, um die spirituellen Bedürfnisse der Menschen zu beantworten. Wie sieht es mit Gebeten aus, mit Feiertagen, mit Bräuchen und Traditionen? Gibt es diese für die Noachiden?

Natürlich gibt es sie. Viele Tage des heiligen jüdischen Kalenders sind für alle Menschen gültig. Der Shabbat ist zum ersten Mal inGenesis 2 erwähnt, wo er als heiliger Tag, ein Ruhetag, ein Gedenktag der Schöpfung für alle Menschheit erwähnt ist. Die Beachtung des Shabbes der Israeliten nach der Halacha ist hier aber nicht Thema. Es geht darum dass ein Noachide viel tun kann, um diesen Tag zu ehren. Ein Nicht Jude darf nicht den Shabbes so einhalten wie ein jüdischer Mensch, aber er kann sich zum Beispiel mit der ganzen Familie zu einem besonderen Essen treffen, oder beten, ja sogar eineSynagoge besuchen.

Yom Kippur, der Tag der Versöhnung ist sicher ein Tag, an dem alle Menschen sich einigen können im Sinne von Reue und Wiedergutmachung. Alle Menschen, unabhängig davon, ob es Juden oder Nicht Juden sind, können sich versammeln und den Tag ehren. Die Noachiden, die von orthodoxen Rabbinern unterstützt werden, haben eigene Heiratszeremonien, eigene Gebete und Abläufe für heilige und besondere Tage. Die meisten Noachiden lehnen den Standart der Feste wie Weihnachten und Ostern mit ihren paganen Hintergründen ab.

 

Offen gesprochen, das was sich in unseren Tagen abspielt, ist etwas völlig Neues. Wir sind in einer besonderen Zeit, der Messianischen Zeit. Dies bedeutet, dass es die Möglichkeit der Kooperation zwischen den Völkern und Israel gibt. Das ist der Gedanke in Isaia 2 und 11, das den Nationen anbietet nach Jerusalem zukommen um „den Weg des Schöpfers“ zu erlernen. Dies wird zu den Messianischen Zeiten führen, wenn die Erde voll sein wird vom Wissen des Schöpfers, so wie das Wasser das Meer bedeckt. Das bedeutet natürlich nicht, dass die ganze Welt jüdisch wird. Alle Nationen werden hingegen die Wege des Schöpfers für diesen Planeten kennen.

Das noachidische Konzept zu erfüllen ist eine große Aufgabe für die Menschheit. Sie führt in das Zeitalter von Mashiach, das Zeitalter der Erlösung.

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